Naturwissenschaften mal anders: Bier brauen in Klasse 10

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Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen, was Bier brauen mit einem normalen Chemieunterricht zu tun hat. Vielleicht werden Sie sich gar auf eine Zeitreise in ihre Vergangenheit begeben und feststellen müssen, dass dieses Thema in ihrer Schulzeit nie behandelt wurde.

So ganz falsch liegen Sie mit ihrer Einschätzung nicht! Das Thema „die alkoholische Gärung“ ist auch Ihnen irgendwann im Chemie- oder Biologieunterricht begegnet. Dass dies zumeist keine tiefen Spuren hinterlassen hat, ließ sich vor einigen Jahren auch in einer Ausgabe der ZDF-Sendung „heute Nacht“ erkennen, als man dort  -eigentlich scherzhaft-  Passanten in der Nähe eines Biergartens fragte, was sie eigentlich davon halten würden, wenn man dem Bier in Zukunft einen Stoff namens Ethanol zusetzen würde. Die Empörung bei den Befragten war groß, wie konnte es trotz des bayerischen Reinheitsgebotes von 1516 sein, dass jemand plötzlich da irgendetwas reinpanscht?

Die Unterrichtsidee war in diesem Moment geboren! Bier brauen als ein Unterrichtsprojekt. In der modernen Unterrichtsmethodik nennt man dies „Lernen in sinnstiftenden Kontexten“. Der Weg für ein solches Unterrichtsprojekt gestaltet sich dagegen etwas steiniger, denn ein normales Schullabor ist alles andere als ein Braubetrieb. Da ich bereits vor meiner Abreise den Entschluss gefasst hatte, dieses Projekt auch in Südkorea durchführen zu wollen, hatte ich gleich das ganze Hobbybrauerequipment mit in den Container gepackt, samt einer Kiste Original Bügelflaschen. Natürlich hat das bei der Einreise auch den hiesigen Zoll interessiert, weshalb diese Kisten zollrechtlich geöffnet wurden. Ich hätte gerne das Gesicht des Zollbeamten gesehen, als er die Kiste mit den leeren Bierflaschen entdeckte.

Nachdem die Rohstoffe in Itaewon im Seoul Homebrew beschafft wurden, konnte es am 16.01.14 dann endlich mit dem Bier brauen losgehen.

Ein Brainstorming zum Thema machte den Schülerinnen und Schülern schnell klar, dass das Thema Bier sehr vielseitig ist und weit über die Grenzen des Faches Chemie hinausgeht. So wurden verschiedene Expertengruppen gebildet, die am Ende ihrer Projektarbeit ihre Ergebnisse in Form eines professionellen Posters präsentieren sollten:

Gruppe 1: Die Rohstoffe des Bieres und der Brauprozess:

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Über die Herkunft und Herstellung des Malzes, der Verwendung nur weiblicher Hopfenblüten und die verschiedenen Biersorten, die auch durch die Wahl von ober- oder untergärigen Hefen bestimmt werden.

Diese Gruppe hatte auch die Aufgabe das Bier zu brauen und die einzelnen Schritte zu dokumentieren.

Gruppe 2: Die Bierindustrie:

Während sich die Deutschen gerne als Ursprung der Braukunst und als Bierweltmeister betrachten, wurde schnell klar, dass schon die alten Ägypter Bier brauten und tranken und dass auch in der heutigen Zeit das meiste Bier von US-amerikanischen Brauereien verkauft wird und in puncto Trinken die Tschechen und Koreaner uns mengenmäßig voraus sind.

Gruppe 3: Bier und Geschichte:

Diese Gruppe ging der Frage nach, wo zum ersten Mal Bier gebraut wurde. Dabei kam Erstaunliches zutage, wie zum Beispiel die Bierhexen, die damals verbrannt wurden, falls die Brauversuche mal wieder fehlgeschlagen waren. Weiterhin konnte man das bayerische Reinheitsgebot besser verstehen, aus einer Zeit heraus entstanden, wo Bier noch mehr ein Gebräu war, bei dem man bei der Auswahl der Zutaten es nicht ganz so genau nahm. Auch die Tricks der Mönche zum Umgehen der Fastenzeit wurden schnell aufgedeckt.

Gruppe 4: Bier und Medizin:

Zentraler Aspekt dieser Gruppe war die Tatsache, dass es sich bei Bier in erster Linie um ein alkoholisches Getränk handelt, was zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen kann. Formen des Alkoholismus und die Wirkungsweise des Alkohols wurden ebenso behandelt, wie auch die Frage, warum Asiaten meistens schneller betrunken werden als Kaukasier.

Zwei Wochen nach Ablauf war es dann soweit, das Bier konnte in die Bügelflaschen abgefüllt werden und den Eltern zur weiteren Verwendung übergeben werden.

In den kommenden Tagen werden dann die Poster der Gruppenarbeiten aus der Druckerei kommen, so dass das Projekt sein Ende findet.