DSSI-Schüler bei der Dt. Schülerakademie: Ein „intellektueller Sommer“

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Die Deutsche Schülerakademie ist ein außerschulisches Programm zur Förderung besonders leistungsfähiger und motivierter Schülerinnen und Schüler. Auf Vorschlag der Schule wurde Eric Oancea aus Klasse 11 für eines der diesjährigen 16 tägigen Seminare der Deutschen Schülerakademie ausgewählt und konnte sich so auf eine spannende Begegnungsgreise nach Deutschland begeben. Lesen Sie hier den kompletten Bericht :

Ein etwas intellektueller“ Sommer

München – Ulm – Schelklingen – Urspring. So sah meine dreistündige Fahrt, mit der mal wieder sehr pünktlichen Deutschen Bahn, diesen Sommer aus. 16 Tage meiner Sommerferien sollte ich in einer der sechs Deutschen Schülerakademien verbringen, bei der angeblich nur die Elite Deutschlands mitmachen würde.

Ich bekam von meiner Schule die Gelegenheit bei der „Deutschen Schülerakademie“ vorgeschlagen zu werden. Dieses Angebot nahm ich natürlich, trotz meiner Unwissenheit, was auf mich zukommen würde, an.

Von „Gleichungen, die die Welt bewegen“ bis „Justitia und die Musen“ hatte man ein sehr breites Spektrum an Auswahlmöglichkeiten. Je nach Interesse wählte man im Frühjahr einen Kurs aus. Ich wurde für den Kurs „Zwischen den Kulturen“ angenommen, welcher sich später als perfekte Entscheidung herausstellte.

Also machte ich mich Anfang August auf den Weg nach Urspring, wo die Akademie und mein Kurs stattfinden sollten.

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Ich war dabei jedoch mehr auf die Sportanlagen des Internats gespannt, da Urspring die beste Basketball Jugendakademie in Deutschland ist, als auf die tatsächlichen Kurse und auf die Leute, die mich dort erwarteten.


Als ich am Bahnhof von Schelklingen ankam, traf ich auf zwei junge Männer, welche mir mitteilten, dass ich meinen Koffer am Internat wiederfinden würde…zwischen 95 anderen. Ich sollte den Weg vom Schelklinger Bahnhof bis nach Urspring natürlich auf mich allein gestellt meistern und währenddessen die wunderschöne Natur bewundern. Ich befand mich mitten im Nichts. Ein Rewe, ein paar Häuser und lauter Maisfelder umzingelten mich. Ich lief eine halbe Stunde und kam letztendlich an. An meinem Ziel fand ich tatsächlich
meinen Koffer wieder und bekam ein Namenschild mit meinem, überraschenderweise, richtig geschriebenen Namen und meinen Zimmerschlüssel.

Nach der Begrüßung war ich in Gedanken schon in meinem Bett und machte mich auf den Weg in mein Zimmer, als ich erfuhr, dass die erste Kurssitzung bereits heute Nachmittag stattfinden sollte. „Ruhig durchatmen Eric“. Mit 15 weiteren Teilnehmern, manche genauso motiviert wie ich, setzte ich mich in ein Klassenzimmer und wurde von meinen zwei Kursleitern Tina und Niko begrüßt.

Inzwischen bevorzuge ich die Begriffe Tutoren bzw. Freunde.

Tina ist Dozentin, Schriftstellerin und engagierte Manifestantin für die Unabhängigkeit Tibets. Ihre ganze Kariere basiert auf einem Projekt, in welchem sie sich mit der zweiten Generation von Tibetern in Indien und der Schweiz beschäftigt. Niko ist Dozent und Studienberater für internationale Studenten an der Kölner Universität. Er ist auch Germanist und West-Slawist. Ich war mir nicht sicher, was ich in dieser ersten Kurssitzung denken sollte. „Wo zum Teufel bist du hier gelandet Eric?!“ oder „Was zur Hölle tust du hier in deinen Sommerferien Eric?!“

Schuelerakademie 5-w1024-h1024An einer Wand in meinem Kursraum klebten viele verschiedene Zettel mit dem Wort „Willkommen“ in allen möglichen Sprachen. Überrascht war ich, als ich die rumänische Variante erblickte und sie sogar noch richtig geschrieben war. Noch überraschter war ich, als ich beim Namen genannt wurde und das vorlesen sollte. Meine Kursleiter hatten sich eindeutig sehr gut für diese zwei Wochen vorbereitet. Langsam entspannte ich mich und fand Lust daran mich mit ihnen und den anderen Kursteilnehmern auszutauschen. Alle lebten in Deutschland, jedoch waren ihre Hintergründe oft sehr verschieden. Ich war erstaunt zu hören, dass eine Habsburgerin in meinem Kurs war. Die Uhrenkelin von Karl dem Letzten, dem letzten Kaiser von Österreich. Ihr offizieller Name geht über zwei Zeilen. Ich war sehr stolz auf mich, als ich am Ende der Akademie ihren Namen auswendig rezitieren konnte.

Schuelerakademie 4-w1024-h1024Es folgte das Abendessen und ich war überrascht, wie lecker das Essen schmeckte. Noch überraschter war ich von den Küchenfrauen. Nettere Küchenfrauen habe ich noch nie in meinem Leben erlebt. Voller Überraschungen ging mein erster Tag also langsam zu Ende.

Am Abend hatte man die Gelegenheit die anderen 95 Teilnehmer besser kennenzulernen. Wir spielten „Werwolf“. Dies war die erste Gelegenheit sich schon einmal Feinde zu machen. Oder Freundschaften zu knüpfen, natürlich. Um das erstere zu vermeiden spielte ich den Moderator. Der „Bekanntschaft Abend“ endete gegen 2 Uhr. Nachtruhe gab es nicht, da wir ja alle alt genug waren, um selbst ins Bett zu gehen, wenn uns die Müdigkeit übermannte. Ich ging glücklich ins Zimmer, da nun der Ausblick auf die nächsten 15 Tage viel optimistischer war.

Schuelerakademie 7-w1024-h1024Unser Tagesplan sah ganz gut aus. Nach dem Frühstück fand ein Plenum statt, wo diverse Sachen bezüglich der nächsten Tage besprochen wurden. Auch meldeten sich Freiwillige, die verschiedene kursübergreifende Angebote (KüAs) anboten. Von Theater, Chor und einem Debattier-Club bis zu Fußball, Fitness-Training, einer Massage KüA und Standardtanz, wurde so ziemlich alles angeboten, was man sich vorstellen kann. Nach dem Plenum fanden die Kurssitzungen statt. In der Mittagspause konnte man, nach dem Mittagessen, bei verschiedenen KüAs mitmachen oder sich einfach auf der Wiese in die Sonne legen. Diese fehlte jedoch an den meisten Tagen und ein wolkenbedeckter Himmel mit durchschnittlich 15°C ließ unser Lächeln verschwinden. Am Nachmittag fand die letzte Kurssitzung des Tages statt und nach dem Abendessen konnte man erneut bei einer KüA mitmachen. Vor allem die vielen Ballsport-KüAs und der Standardtanz machten Spaß. Ein wahrer Tänzer wurde aus mir leider trotzdem nicht, obwohl sich die habsburgerische Erzherzogin ganz viel Mühe gab. Wiener Walzer, Cha Cha, Tango und mehr versuchten wir verzweifelt nachzumachen und es gelang uns am Ende einigermaßen fehlerfrei am Abschlussabend aufzutreten.

Am Abend war die Stimmung fantastisch. Leute versammelten sich am Lagerfeuer oder spielten Kartenspiele und Poker. „Werwolf“ wurde an jedem Abend gespielt. So knüpfte ich immer mehr Freundschaften. Von süßen, lockigen Wurmlingen-Bewohnerinnen, bis zu lustigen und charmanten Spanier und Portugiesen. Und auch eine sympathische Koreanerin war dabei. Am Ende wusste ich, dass ich sie alle nochmal und sobald wie möglich sehen möchte!

Was meinen Kurs „Zwischen den Kulturen“ anging, war ich mehr als zufrieden. Ich lernte viel über die Begriffe Kultur, Diaspora und Identität, lernte wie man mit anderen Kulturen am besten umgeht, wie verschiedene Minderheiten in einer Diaspora leben und was meine Identität ist. Diese Frage habe ich mir mein ganzes Leben gestellt. Der Kurs brachte mich zwar noch nicht ganz auf eine endgültige Antwort, half mir jedoch sehr beim Verständnis meiner persönlichen Identität. Ob ich die Frage nach dieser beantworten werde, wird für eine ganz lange Zeit offen bleiben…damit die Frage mit der Zeit noch komplizierter wird.

Viele spannende Events fanden in diesen 16 Tagen statt. Beim Volleyballturnier gewannen mein Kurs und ich den 2. Platz. Es gab dreimal eine Disco, bei der talentierte DJs und Tänzer ihre Fähigkeiten zeigen konnten. Oder auch eher nicht.

Am vorletzten Abend gab es ein Konzert, bei dem der Chor, mehrere Bands, Gospel und Soloartisten ihre Arbeit der vergangenen zwei Wochen vorführen konnten. Allen gelang ein sehr positives Auftreten voller Enthusiasmus und Freude, manchmal auch voller Emotionen, welche bei dem Einen oder Anderen eine Träne hervorriefen. Die größten Highlights kamen jedoch am letzten Abend. An diesem musste jeder Kurs ein Sketch vorbereiten. Mein Kurs bereitete eine Weltreise für unsere zwei Kursleiter vor und voller Stereotypen hießen wir sie in verschiedenen  Ecken der Welt „Willkommen!“. Ich spielte Luigi aus Venezia. Viele Leute meinten später, er hätte wunderbar zu mir gepasst…

Was Anfang August noch ein Albtraum zu werden schien, entpuppte sich zu einer wirklich tollen Zeit. Ich habe viel dazugelernt, über Inter- und Multikulturalität, Stereotypen etc.. Ich knüpfte Freundschaften mit Professoren, Dozenten, Schülern aus der ganzen Welt, auch Adligen, und erlebte eine Zeit in Urspring, die ich niemals vergessen werde. Wer hätte gedacht, dass ein „intellektueller Sommer“ auch Spaß machen könnte. Ich nicht.