Ausflug Yeomyong-Schule – Begegnung mit nordkoreanischen Flüchtlingen

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„Das sind ja ganz normale Schüler!“, sagt ein Neuntklässler nach dem Ausflug zur Yeomyong-Schule, die die 9. Klasse zusammen mit Herrn Chung und der Politiklehrerin Frau Rhein am Donnerstag, den 22. Juni besuchten. Yeomyong heißt „neuer Morgen“, also Neuanfang für die Jugendlichen, die aus Nordkorea geflohen sind und nun einen Neustart in Südkorea wagen.

Ja, es sind ganz normale Jugendliche, aber irgendwie auch nicht. Denn sie hatten erstaunliche Lebensgeschichten zu erzählen. Sie berichteten von ihrer Flucht aus Nordkorea bis nach China und teilweise noch weiter. Sie erzählten von ihrer Ankunft in Seoul und den Schwierigkeiten, sich in das neue System einzuordnen. Lustig ging es teilweise bei einem individuellen Austausch in Kleingruppen zu, in denen sich Koreanisch sprechende Schüler/innen mit anderen Jugendlichen zusammen fanden, die der Sprache ihres Landes nicht mächtig sind. Auch Fragen über Deutschland mussten unsere DSSI-Schüler/innen beantworten. Ja, lustig ging es zu, aber auch nachdenklich, manchmal verhielten sich die nordkoreanischen Schüler zurückhaltend und waren manchmal sogar traurig. „Warum gibt es dort drüben in China so viele Lichter und Straßenbeleuchtung?“ Das fragte sich ein Mädchen damals, als sie noch in Nordkorea an der Grenze zu China in einem Dorf, in dem sie keine Freiheit kannte, lebte. Zusammen mit ihren Eltern wagte sie die Flucht. Bis nach Vietnam schlug sie sich durch, tausende Kilometer weit zu Fuß und mit dem Auto, dann stieg sie in den Flieger, der sie nach Seoul brachte. in die Stadt, die nur einige hunderte Kilometer weit weg von ihrem ursprünglichen Heimatort liegt. Alleine kam sie ohne ihre Eltern an, die waren auf der Flucht ums Leben gekommen.

Vor den Gesprächen mit den Schüler/innen der Yeomyong-Schule übergab die 9. Klasse ihre Spende in Höhe von 310.000 KRW. Das Geld hatte sie beim Flohmarkt und Waffelverkauf eingenommen. Die Schüler freuten sich sehr und der Direktor teilte uns mit, dass dieses Geld für neue Literatur verwendet wird. Die Yeomyong-Schule finanziert sich rein durch Spenden und Subventionen des Staates. Dennoch reicht das Geld für einen Schulhof, eine Sporthalle, größere Klassenräume oder eine eigene Mensa nicht aus. Das Essen wird von drei Kirchen gespendet, die sich abwechselnd um die Verköstigung kümmern. Die Schule ist sehr klein, wie die Neuntklässler bei einem Rundgang feststellen mussten. Trotzdem genügt der Platz, um nordkoreanische Flüchtlingskinder und –jugendliche zu betreuen, so dass sie hoffentlich in Zukunft für eine Integration in die südkoreanische Gesellschaft vorbereitet werden. Die Lehrerinnen und Lehrer dieser Schule sind zum Teil selbst als Jugendliche aus Nordkorea geflohen, haben die Yeomyong-Schule besucht und sind nach ihrem Universitätsstudium wieder als Lehrer zurückgekehrt. Eine Lehrerin trafen wir, die Englischunterricht in Nordkorea erteilt hat, floh und nun an der besagten Schule unterrichtet. Auf den Fotos möchte sie nicht erkannt werden, da die Gefahr zu groß ist, dass nordkoreanische Spitzel sie erkennen und zurück bringen.

Und was möchten Yeomyong-Schüler/innen machen, wenn sie das koreanische Abitur in der Tasche haben? Auch hier ganze normale Antworten: Studieren möchten die meisten; Psychologe, Erzieher, Lehrer oder Dolmetscher werden oder auch einfach nur die Welt bereisen! Insbesondere ihre Freiheit schätzen alle nordkoreanischen Jugendlichen sehr. Es sind eigentlich ganz normale Teenager, aber irgendwie dann doch nicht. „Wir sind Außenseiter und sprechen einen anderen Dialekt. Daher haben wir keine südkoreanischen Teenager-Freunde“, sagen sie. Ganz normale Teenager also? Irgendwie schon, aber irgendwie auch doch nicht…