Meine Schuljahre an der DSS von 1985 bis 1989

Eingeschult wurde ich an der DEUTSCHEN SCHULE SEOUL 1985 und habe dort vier unvergessliche Jahre verbracht.

Das Wort "Schule" allein scheint hier eigentlich untertrieben. Diese Schule war nicht nur eine Einrichtung, in der man seine 4 - 6 Stunden Unterricht absa©¬...
Vielmehr spielte sich fast unser ganzes Leben in und um die Schule ab.
Einerseits war es etwas Besonderes, im Ausland zur Schule zu gehen, andererseits taten unsere Lehrer und Eltern aber alles, um uns Kindern auch das "deutsche" Leben mit all seinen Bräuchen und Feiertagen nahe zu bringen...

Am aufregendsten war jedes Jahr die gro©¬artige Nikolausfeier im Goethe-Institut, wo wir uns am Schluss immer freuten, dass der Nikolaus wirklich den weiten Weg zu uns Kindern nach Korea gefunden hatte.

Aber auch an Ostern, Sankt Martin, Karneval, die Schulfahrten und
Geburtstagsfeste denke ich gerne zurück.

Zusätzlich lernten wir natürlich Land und Leute Koreas näher kennen, feierten Chuseok , das koreanische Erntedankfest, gingen zum Taekwon-do, besuchten koreanische Schulen und nahmen jedes Jahr im Mai am gro©¬en International Children¡¯s Folk Festival in der Sae-jong-Hall teil.

Ein Höhepunkt, der in unsere Korea-Zeit fiel, war natürlich die Olympiade. Nicht nur, dass wir viele Veranstaltungen im Olympia- oder anderen Stadien persönlich miterlebten, viele Sportler im "Deutschen Haus" sehen und sprechen konnten, wurden wir als Schüler der Deutschen Schule auch vom ZDF interviewt und dies in Deutschland live gesendet.


Damals war es für mich normal, dass ich nicht nur die Leute in meiner Klasse, sondern die ganze Schule kannte. Es war normal, dass man sich nachmittags zum Schwimmen im Hyatt-Hotel am Pool traf oder der "driver" einen zu seinen Freunden fuhr und natürlich auch pünktlich wieder abholte. Normal war ebenfalls, dass zu Hause dann die liebenswerte koreanische "maid" schon mit dem Abendessen wartete. Es war normal, von der ersten Klasse an Englisch und Koreanisch zu lernen. Normal war auch, mal von den Lehrern nach Hause eingeladen zu werden. Und es war normal, sich regelm䩬ig von Freunden, die Korea verlie©¬en, verabschieden zu müssen, aber gleichzeitig wieder neue Mitschüler kennenzulernen.
Nachdem man eine so intensive Zeit miteinander verbracht hatte, ist auch das Interesse gro©¬, ob und wie sich der eine oder die andere verändert hat.
So gab es bei uns am Bodensee im Sommer 1999 ein gro©¬es Wiedersehenswochenende der Einschulungsjahrgänge 1984/85 und 1985/86, von denen meine Mutter auch Klassenlehrerin war.
Sogar Rhona Wetzka, unsere ehemalige Englischlehrerin, und Christel Schröter, die damals auf jedem Fest in Seoul mit ihrem Akkordeon und lustigen Liedern für Stimmung sorgte, waren dabei.
Von Angelika Hilger, die im 3. und 4. Schuljahr unsere Klassenlehrerin war, bekamen wir einen netten langen Brief.
So eine besondere Zeit, wie die an der DSS, kann man nicht wiederholen.
Aber man kann Erinnerungen auffrischen gemeinsam mit den Menschen, mit denen man diese wunderschönen Jahre verbracht hat.
Es war ein tolles Wochenende und nun haben wir Ex - DSSler wieder neue Erinnerungen, die uns verbinden.

In einem fernen Land verbunden durch die Gemeinsamkeiten von Nationalität, Sprache und Kultur wuchsen wir Schüler, Lehrer und Eltern zu einer gro©¬en Familie zusammen.

Julia Fleischhauer (2001)


Nikolausfeier 1986 im Goethe-Institut

Die Anerkennung und Registrierung der Schule als privater Schulverein in Korea durch die Schulbehörde der Stadt Seoul erfolgt im Dezember 1986.


1986 Trachtentänze vor dem Lotte-Kaufhaus

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