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Die Anfänge
von Sigrid Richter (2001)
Wir waren von 1975 - 1978 in Seoul. Mein
Mann kam schon im Januar, ich blieb bis zum Juni in Hamburg, um noch mein
Examen als Volks- und Realschullehrerin zu machen. Es war ein ganz dringender
Wunsch von mir, in Seoul in meinem Beruf zu arbeiten, und mein Mann hatte
sich ein bisschen umgehört. So stand ich nach den Sommerferien 1975
an einer Stra©¬enecke in Hannam-dong, einen Zettel mit der Anschrift der
"International School of Sacred Heart" in der Hand, den ich
dem Taxifahrer zeigte. (Zur damaligen Zeit sprach noch niemand Englisch,
überhaupt war Korea ein Pionierland, aber das steht auf einem ganz
anderen Blatt und hat nichts mit der Schule zu tun.)
Die Direktorin der "Sacred Heart" verpflichtete mich vom Fleck
weg für den Kunstunterricht und Deutschunterricht für die deutschen
Kinder und für Deutsch als Fremdsprache. Bis zu diesem Zeitpunkt
gab es abgesehen vom Goethe-Institut (und dort nur für koreanische
Erwachsene) keinen Deutschunterricht in Seoul. Alle deutschen Kinder besuchten
die International School of Sacred Heart. So sprach es sich ganz schnell
herum, dass eine Deutschlehrerin im Lande war, und ich hatte bald keine
Freizeit mehr. Es gab viele Kinder, die in Korea eingeschult worden waren
und eventuell zum dritten oder vierten Schuljahr nach Deutschland zurück
gingen, ohne überhaupt ein einziges deutsches Diktat geschrieben
zu haben. Besonders Eltern, die ihre Rückflugtermine quasi schon
in der Tasche hatten, wollten Deutschunterricht für ihre Kinder an
den Nachmittagen.
Mir machte das Ganze einen wahnsinnigen Spa©¬, ich konnte ja schalten und
walten, wie ich wollte. Mein Kopf war vom Referendariat voller Ideen!
Was für eine Chance, was für eine Verantwortung! Es dauerte
gar nicht lange, da wurden die Stimmen, die eine deutsche Samstagsschule
wollten, laut. Damals ging immer alles sehr unkompliziert, man verstand
zu improvisieren und schnell Lösungen zu finden. So entstand schon
mal so etwas wie eine klitzekleine deutsche Schule: Jeden Samstagvormittag
im Haus des damaligen Kanzlers Brunen in Itaewon, der uns die Räume
sofort zur Verfügung stellte. (Ich traf ihn Jahre später in
Tokyo wieder.) Anfangs zogen manche Kinder natürlich ein langes Gesicht:
Nicht nur die Internationale Schule bis in die Nachmittage, nun mussten
sie auch noch sonnabends zur Schule. Aber bald machte es wohl den meisten
Spa©¬, es war auch immer eine ganz besondere Atmosphäre an diesen
Sonnabenden! Bald kamen so viele Kinder, dass ich den Unterricht nicht
mehr alleine erteilen konnte. Zwar hatte ich schon immer mehrere Kinder
verschiedener Klassenstufen zusammen unterrichtet, aber es wurden einfach
zu viele. Auch mit mehreren Stunden an dem Vormittag war es nicht mehr
zu bewältigen. Material lie©¬ ich mir aus Deutschland kommen, vieles
stellte ich selbst her. Schon kurze Zeit später meldeten Eltern ihre
Kinder zur Vorschule an (in Deutschland zu der Zeit ein hei©¬es Thema).
Da blieb mir nichts anderes übrig, als Mütter um Verstärkung
zu bitten. Ich entwarf die Stundenverläufe und das Material, und
zwei oder drei Mütter halfen mir beim Unterrichten. Leider erinnere
ich mich nicht mehr an ihre Namen, ich wei©¬ nur noch, dass Heide Löbert
(ihr Mann arbeitete bei Siemens) mit viel Elan die Vorschule unterrichtete
und bald ganz eigenständig übernahm. So gab es also ab Ende
1975/Anfang 1976 Deutschunterricht in Seoul, erstens an der Sacred Heart,
zweitens in der Samstagsschule und drittens als Privatunterricht.
Schon bald gab es den nächsten Entwicklungsabschnitt: Vier Elternpaare
hatten plötzlich die Idee, eine richtige deutsche Schule zu gründen.
Federführend war Herr Schnitter, er war bei der GTZ, die Familie
wohnte im UN- Village wie wir. Welche Schritte die Eltern damals unternehmen
mussten in Richtung Schuldezernat und Deutschland, ist mir nicht mehr
gegenwärtig, nur noch, dass es eine ganze Weile dauerte von der Idee
bis zur Anerkennung des Vereins Deutsche Schule Seoul und die Auflage,
dass es sechs Schüler sein mussten. So nahm man zu den vier Grundschülern
auf zwei verschiedenen Klassenstufen noch zwei Vorschulkinder dazu. Die
Eltern fragten mich, ob ich Interesse hätte, Hausmeisterin, Lehrerin
und Direktorin in einer Person zu sein. Interesse hatte ich schon! Aber
ich hatte zu dem Zeitpunkt der ganzen Verhandlungen meine erste Tochter
bekommen und wusste auch schon, dass wir Sommer 1978 nach Deutschland
zurück gehen würden. Da fand ich es unfair, diesen verlockenden
Posten zu übernehmen. So suchten wir gemeinsam nach einer Lehrkraft,
die wahrscheinlich längere Zeit in Seoul bleiben würde. Wir
fanden Frau Kang! Sie arbeitete an der Universität und war zunächst
ein bisschen skeptisch gegenüber der Arbeit mit Grundschulkindern.
Aber dann war sie doch bereit. Wir lie©¬en uns Prospekte über Schulbücher
kommen und entschieden gemeinsam über das künftige Material.
Ich erinnere mich noch, dass wir als Arbeitsblätter für den
Deutschunterricht den "Fehlerteufel" aussuchten. Während
meines letzten Deutschlandurlaubs besorgte ich die Bücher und brachte
sie mit. So begann der Unterricht für sechs deutsche Kinder im Keller
des Privathauses der Familie Schnitter im UN-Village. Ich übernahm
bis zu meiner Abreise den "Sportunterricht", er fand im Garten
unseres Hauses statt, was unser Cockerspaniel "Schnaps" sehr
aufregend fand!
Irgendwann hörte ich dann, dass diese Schule von Deutschland aus
als Deutsche Schule anerkannt worden war -und war schon ein bisschen stolz!
So wird im August 1976 der Verein Deutsche Schule Seoul durch die Familie Schnitter und einige andere Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gegründet.
Die Schulräume befinden sich im Wohnhaus der Familie Schnitter UN-Village # 110, unterrichtet wird in den Klassen 1 und 2 mit insgesamt vier Schülern und zwei Vorschülern.

Frau Ziem-Fleischhauer vor dem ersten Schulgebäude
| Die ersten Schüler waren 1976/77 |
Brencher, Birgit |
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Schnitter Jürgen (Vorschule) |
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Schnitter, Michael |
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Weinegg, Oliver |
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Weinberger Benno (Vorschule) |
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Weinberger, Katinka |
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| von Susanne Ziem-Fleischhauer (2001) |
Im Herbst 1977 übernimmt Frau Heidrun Kang nach Wegzug von Frau Konrad den Unterricht in der wachsenden Schule. In den Klassen 1 - 3 lernen elf Schüler.
| 1978/79 18 Schüler |
Frau Plotteck und Frau Kang als Lehrerinnen |
Glückwünsche
Kaum zu glauben, dass es nun schon 25
Jahre her sein sollen, seit wir als Zwergschule unsere ersten Schritte
taten!
Die Schule entstand aus der Erfahrung, dass der Umgang mit der Muttersprache
eine sehr wichtige Voraussetzung für den Lebensweg eines Menschen
darstellt und dass es auch in Zeiten der sogenannten Globalisierung wenig
hilfreich ist, zwei oder mehr Sprachen nur einigerma©¬en korrekt zu sprechen.
Diese feste Grundlage wird in der Deutschen Schule geboten, die darüber
hinaus den Schülern einen Weg ebnet, mit der fremden Umgebung fertig
zu werden und den Wert anderer Kulturen neben der eigenen schätzen
zu lernen.
Fur diese doppelte Aufgabe möchte ich allen Beteiligten weiterhin viel Mut, Inspiration und Erfolg wünschen!
Heidrun Kang (2001) - LIST - |
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